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Klasse - Kampf - Koevolution (2019) 

photography / photomontage

4 Images, digital 

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Rosina Fankhauser (*3. Januar 1888 in Rüeggisberg bei Bern) war eine von tausenden armen Bauersfrauen des 19. Jahrhundert. Ihre Vorfahren und Nachfahren lebten als mittellose, schlichte Menschen und widmeten sich fast ausschließlich der Landwirtschaft. Rosina hatte kein Stimmrecht. Sie heiratete, vielleicht aus Pflicht, vielleicht aus Gelegenheit, einen ähnlich einfachen Bauern aus der selben Gemeinde. Im Alter von 45 Jahren starb sie im Haus ihrer Geburt. Weder über ihre Kinder, ihren Ehemann oder ihre Eltern, noch über andere Details ihres Lebens ist heute Information zu finden.  Ihre Existenz und ihre Liaison sind lediglich handschriftlich in den Akten der Gemeinde Rüeggisberg vermerkt, ein Passfoto sowie ihre Berufung auf einer veralteten Internetseite.

Ra: Was bedeutet diese Vergangenheit für mich? Wie beeinflusst es mich, dass meine Eltern in eher armen Verhältnissen aufgewachsen sind? Wo und wie spüre ich die Kämpfe, die meine Ahn:innen ausgetragen haben, noch ?

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Rosina Fankhauser

(*3. Januar 1888 in Riggissberg bei Bern)

Fotographie: Unbekannt

Ra Fankhauser

(*6. Januar 2000 in Riggisberg bei Bern)

Fotographie: Mischael Escher

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Lydia Welti-Escher

(*10. Juli 1858 in Enge bei Zürich)

Gemälde: Karl Stauffer

Mischael Escher

(*10. Juni 1999 in Bern)

Fotographie: Ra Fankhauser

Lydia Welti-Escher (*10. Juli 1858 in Enge bei Zürich), Tochter von Alfred Escher, war eine der wohlhabendsten Frauen der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Ihre vergangen und zukünftigen Familienmitglieder waren meist reiche Geschäftsleute, in Positionen der Macht. Ihre Vorfahren zogen unteranderem Profit aus Kolonialismus und ihr Grossonkel versklavte  Menschen auf einer Kaffeeplantage in Kuba. Lydia selbst lebte in der Schweiz, war vermögend, angesehen und einflussreich. Sie galt als intelligent, wach und unabhängig, als wichtige Figur des helvetischen Feminismus. Ihr Leben war geprägt von ihrer Liebe zu ihrem Ehemann, später der leidenschaftlichen Affäre mit einem Maler und dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Sie liess sich Scheiden, gründete eine Stiftung und sprengte Normen. Knapp ein Jahr nach dem Suizid ihres Liebhabers beging sie im Alter von 33 Jahren in Genf Selbstmord. Fast ein Duzend Schriftsteller widmeten sich ihrem Leben, weitere Texte, Dokumente, Fotos und Gemälde über den Lebenslauf der Familie Escher sind in zahlreichen Archiven online und offline öffentlich zugänglich.

Mischa: Was bedeutet diese Vergangenheit für mich? Wie bin ich mit den Leben meiner Ahnen verbunden? Wie profitiere auch ich noch von Sklaverei und Kolonialismus? Wie kann ich Verantwortung dafür übernehmen? Welche Narben trage ich von vergangenen Selbstmorden mit? Wer sind meine weiteren Ahn:innen, die unauffindbaren, die versteckten, die aus Spanien und weiter?